Mai, 2021 - gib immer Dein Bestes...


aber wann hast du wirklich "Dein Bestes" gegeben? 

Rosa Tasse ist auf weißem Tisch umgefallen. Eine rosa Flüssigkeit ist ausgelaufen. Cornflakes Buschstaben: Doing my best



Wer kennt Ihn nicht, den gut gemeinten Ratschlag: "Gib einfach dein Bestes, mehr kannst du nicht tun. Und wenn es dann nicht reicht, dann ist das halt so."
 Auch ich habe diesen Ratschlag schon oft gegeben und von ganzen Herzen wirklich gut gemeint,
aber was macht der Spruch mit den Leuten, die wirklich nie - und ich wiederhole- wirklich nie denken, dass das, was sie gegeben haben wirklich gereicht hat?
Gerade dann, wenn es mal wieder nicht gereicht hat?
Eine kaputte Liebesbeziehung, ein Jobverlust, eine zerstörte Herzensfreundschaft. Na, ist ja kein Ding, ich habe ja schließlich alles gegeben und es hat halt nicht gereicht.
So what...Mund abwischen und weiter geht`s.
Oft nicht ganz.
Leider.

Ach hätte ich doch, ach hätte ich doch... und wenn ich dann noch... dann wäre doch alles ganz, ganz anders gekommen. Ganz bestimmt. Ich habe mal wieder versagt.
Wieso konnte ich nicht wirklich mein "Bestes" geben?
Wenn ich WIRKLICH mein Bestes gegeben gegeben hätte, dann hätte ich meine Besziehung retten können, ich hätte den Job behalten und meine Freundschaft wäre nicht so schnell zerbrochen.
Genau, man ist mal wieder selber Schuld. Man hat es mal wieder selber versaut und in den Sand gesetzt. Denn - das ist doch wohl klar - hätte ich wirklich mein Bestes gegeben, dann wäre doch alles gut ausgegangen. Das kennen wir aus so vielen Geschichten, Märchen, Büchern und Filmen. Man wird belohnt, wenn man alles richtig macht. Dann wird am Ende alles gut.
Willst du meine Meinung wissen?

Bullshit, absoluter Bullshit.

Natürlich ist es sinnvoll und gut sich anzustrengen, um seine Ziele zu erreichen, aber manchmal reicht es einfach nicht. Und was heißt schon nichtgenug? Soll das heißen, dass wir uns in der nächsten Beziehung bis zur Unkenntlichkeit anpassen sollen, dem Chef nur noch nach dem Mund reden und jeden Tag mindestens zwei Überstunden dranhängen sollen? Nein!
Um aus dem Teufelskreis der eigenen Schuldzuweisung herauszukommen, lohnt es sich einmal 15 Minuten darüber zu meditieren, was denn wirklich DEIN BESTES ist?

Das beste, das jeder von uns in sich trägt ist doch sein Herz. Wenn Du von ganzem Herzen geliebt hast und es hat nicht gereicht,
 dann ist das so.
 Und wenn Du mit Leidenschaft deiner Arbeit nachgehst und es deinem Chef nicht reicht,
dann ist das so.
 Und wenn Du dein Gegenüber aus ganzem Herzen so annimst wie er ist und er deine Freundschaft nicht zu schätzen weiß,
dann ist das so.
Dann mach dir nichts draus,

denn dann hast Du nicht nur dein Bestes gegeben, sondern hast alles gegeben, was du hast.


Sept, 2020 - Warum wir den Neuanfang wagen (müssen)...

oder warum es keinen Stillstand gibt.

Alte Backsteinmauer - Mit Grafitti-Text: Together, We Create!



Seit einigen Monaten leben wir in einer veränderten Welt. Niemand hat uns gefragt und trotzdem spüren wir mehr denn je, dass wir alle im gleichen Boot sitzen.
Durch Globalisierung, Vernetzung, Digitalisierung.

Wir spüren mehr denn je, niemand ist eine Insel, niemand lebt für sich.
Aus Angst und Unsicherheit ist bei vielen Mut und Zuversicht gewachsen.
Mut, die Dinge anders zu betrachten.
Zuversicht, dass am Ende irgendetwas Gutes dabei herauskommen wird.
Das ganze Leben besteht aus Veränderungen.
Die Natur macht es uns jeden Tag vor. Auch wenn wir augenscheinlich immer vom Frühling als Neubeginn sprechen, so ist es doch ein Rhythmus, der nie endet. Und genauso ist es gerade bei uns. Starke Veränderungen werden dennoch oft als Bedrohung wahrgenommen. Das ist menschlich und natürlich. Trotzdem sollten wir die Chance aus Angst nicht ungenutzt verstreichen lassen. Die Chance den Neubeginn beim Schopfe zu packen und ihn bewusst mitzugestalten.  Jeder von uns kennt das aus seinem Leben. Manchmal stehen wir vor einer längst fälligen Entscheidung und können uns (noch) nicht durchringen und
manchmal entscheidet das Leben für uns.

Wir stehen auf einmal vor einer ganz neuen Situation, die wir uns so nie gewünscht oder vorgestellt hätten. Aber darauf nimmt das Leben keine Rücksicht. Oft werden wir einfach ins kalte Wasser geworfen und müssen zusehen, ob wir gut genug schwimmen können oder ob uns vielleicht jemand eine Luftmatratze oder wenigstens ein Quitscheentchen zuwirft.

Manchmal stehen wir gefühlt erstmal allein vor dem Neubeginn...

Nicht so in der aktuellen Situation. Nur die Einhaltung der getroffenen Maßnahmen, konnte zur Stabilisierung der Situation führen. Und noch etwas ist anders. Dieses mal haben nicht wir  entschieden, diesmal war es auch kein Ereignis, das nur dich oder wenige Menschen gleichzeitig betrifft, nein, diesmal hat die Welt entschieden, uns den Spiegel vorzuhalten. Welchen Spiegel?
Die dritte Reise dieses Jahr mit dem Flieger, um für einen Tag den Weihnachtsmarkt auf Mallorca zu erleben, weil der doch so schön ist? Kein Problem. Kleidung aus Bangladesch für unter 5 € einkaufen, weil das Shirt echt hip war? Wieso nicht. Vernetzung und Globalisierung um jeden Preis. Aber was passiert jetzt? Die Welt verändert sich, gerade die jungen Menschen denken um. Sie denken einfacher.
Es geht mehr denn je um Reduzierung, um Schonung der Ressourcen und um die eigene Zufriedenheit. Zufriedensein mit dem, was man hat.
Nicht mehr und nicht weniger.

Diesmal können wir gemeinsam das Problem als Chance begreifen und anpacken.
Gemeinsam können wir eine neue Welt kreieren.
Einen Neubeginn wagen.

Vor nicht allzu langer Zeit hat mir eine gute Bekannte unter Tränen berichtet, wie sehr sie darunter leidet, dass die Kinder in der Öffentlichkeit eine Maske tragen müssen, dass es doch unmenschlich wäre, ihnen die natürliche Entwicklung vorzuenthalten.
Das ist für mich ein Beispiel dafür, dass wir uns in der Mitte der westlichen Welt viel zu oft isoliert betrachten. Unmenschlich? Ich kenne viele Beispiele für Unmenschlichkeit gerade wenn es um Kinder geht. Vielleicht nicht so viele bei uns vor der Haustür, wenn auch oft hinter den verschlossenen Türen, dafür aber um so mehr auf der ganzen Welt.

Setze mal das Tragen von Stoffmasken in der Öffentlichkeit ins Verhältnis zu dem Leid der Flüchtlingskinder in Moria...Nur ein Beispiel. Oder was ist mit den Kindern im Kongo, die sich mitten im Krieg jeden Tag bäuchlings durch enge Gänge zwischen Lehm und kantigen Steinen durchschlängeln?
Hier werden für unseren Wohlstand, unsere Handys und und unsere Computer unter unmenschlichen Bedingungen Erze geschürft.
Es nützt an dieser Stelle nichts, bestürzt zu sein und sich nach den gewohnten zwei Jahren wieder ein neues Handy zu bestellen. Es nützt auch nicht viel, über die Erderwärmung zu weinen und gleichzeitig den nächsten Grillabend mit 6 Kilogramm Fleisch zu planen und sich einfachheitshalber mit Einweggeschirr einzudecken, weil man ja schon so viel um die Ohren hat.

Lasst uns gemeinsam umdenken und den Neubeginn wirklich wagen. Lasst jedes "Maskengesicht"  eine Erinnerung daran sein,
dass wir den bisherigen Weg nicht so weitergehen wollen.
Wir müssen uns auf unsere gemeinsamen Werte und Kräfte fokussieren.
Freundlichkeit. Einfachheit. Menschlichkeit...
Und das wird so viel Gutes hervorbringen.
Spüre die Kraft und lass den Zauber wirken.
Denn...Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..


März,2020 - Und auf einmal ist alles anders... 

oder wie Corona alles durcheinander wirbelt.

Stürmisches Wasser, Wellen, grauer Tag

Morgens aufstehen, schnell duschen, Zähneputzen, die Kinder wecken. Mist - ein Fleck auf der weißen Bluse, so kann ich nicht ins Büro. "Mama, ich habe noch einen Elternzettel bekommen, den musst du noch ausfüllen und unterschreiben," plärrt die Kleine von oben runter, während der Große mal wieder unauffällig versucht, vor der Schule an sein Handy zu kommen. "Ja doch", antworte ich nicht wenig genervt mit dem Blick auf die Küchenuhr. Nur noch schnell vor der Arbeit die Spülmaschine ausräumen und dann noch die Brote schmieren, Apfel schälen, Trinkflaschen auffüllen.

Um Punkt acht sitze ich Büro vor meinem PC, der Tee ist gekocht, die Brille sitzt auf der Nase, der Kunde ruft an. Ich bin wie immer freundlich und versuche auf die individuellen Kundenwünsche einzugehen und bin dabei möglichst locker und bestenfalls sogar noch etwas witzig. Kein Problem- ich habe alles im Griff. Das ist keine Feststellung - eher ein persönliches Mantra, das man sich nur oft genug sagen muss, damit man es irgendwann selber glaubt. Nach sieben Jahren, in denen ich mit meinen beiden Kindern alleine gelebt habe, kann mich so schnell nichts mehr umhauen. Denkt man.

Aber so ist es nicht. Wie oft habe ich mich in den letzten Jahren gefragt, kann man eigentlich alles schaffen und aushalten? Wie viel muss ich jeden Tag erledigen, um einigermaßen mit meiner Tages- oder Wochenleistung zufrieden zu sein? Das Hamsterrad dreht sich immer schneller und ich lasse mich mitdrehen oder bin ich der Taktgeber und treibe mich und damit das Hamsterrad immer schneller an? Irgendwann ist das so wie mit der Frage nach dem Ei und dem Huhn. Was war zu erst da? Wie oft hat man sich gewünscht, wenn doch nur mal alles stillstehen könnte, wenn man doch einfach mal seinen Alltag Alltag sein lassen könnte, wenn doch einfach mal die Welt da draußen anhalten würde. Ja, wenn...

Und dann auf einmal ist der Stopp da!
 Flugzeuge fliegen nicht mehr, Kinder gehen nicht in die Schule, die Autoindustrie legt ihre Produktion lahm,  die Bundesliga setzt die Spiele aus, Olympia wird abgesagt und auch ich muss nur noch die halbe Anzahl meiner Wochenstunden im Büro sitzen.

Ja, auf einmal ist alles anders....

Und jetzt?

Ist es nicht das, was ich mir seit so vielen Jahren für mich gewünscht habe? Versteht mich nicht falsch, ich rede nicht von der Ursache, nicht von COVID-19, nicht davon, dass ganz, ganz viele Menschen erkranken und viele daran sterben. Nein, mir geht es um die Folgen. Mir geht es um das auferlegte Innehalten. Das zu Hause bleiben müssen, das Zurückfahren von Alltäglichkeiten. Endlich Zeit für mich, endlich mehr Zeit mit und für meine Kinder.
Ist es nicht das, was ich wollte? 
Ach ja, und der mega Pluspunkt für die Umwelt! Auch nicht zu verachten. Auf einmal sind Flüsse wieder klar und der Smog verschwindet. Viele Menschen helfen einander, achten sich und den anderen mehr, denn so eine Krise schweißt auch zusammen. Menschen musizieren gemeinsam auf ihren Balkonen, singen Lieder und Klatschen begeistert für Krankenpfleger und Ersthelfer. Das rührt mich und ich bin froh zu sehen, dass nicht alle nur an sich denken, während andere das fünfte Paket Toilettenpapier und das 20. Paket Weizenmehl in ihren Kofferraum packen.

Aber fühle ich mich jetzt entschleunigt? Kann ich meinen Alltag jetzt mehr genießen? Mir fällt das schwer. Vielleicht liegt das auch an der Angst. Angst vor den Folgen, Angst davor, was noch auf uns zukommen kann. 
Meine Tochter hat mich letztens am Frühstückstisch gefragt: "Mama, ist das jetzt das Ende der Welt?" "Nein, mein Schatz, natürlich nicht", habe ich geantwortet," es gibt kein Ende der Welt, es wird immer irgendwie weitergehen"

Und das wie, bestimmen wir.  Lasst uns gemeinsam an eine neue Zeit glauben. 
Eine Zeit, in der Miteinander mehr zählt als der eigene Vorteil.
 Eine Zeit der Menschlichkeit.  
Daran möchte ich glauben.